Zwei Dämmstoffe mit derselben Rohdichte dämpfen dieselbe Wandfuge nicht gleich stark. Die Rohdichte sagt nur, wie viel Masse in einem Kubikmeter steckt, nicht, wie schwer Luft durch das Fasernetz kommt. Akustisch zählt der spezifische Luftströmungswiderstand in kPa·s/m² (Kilopascal-Sekunden pro Quadratmeter): Er beschreibt, wie stark das Material die hin- und hergehende Luft in der Fuge bremst und ihre Bewegung in Wärme umsetzt. Zwei Matten, beide mit 30 kg/m³ bedruckt, können in diesem Wert um den Faktor zwei oder drei auseinanderliegen, je nach Faserdurchmesser, Faserlage, Bindemittel und Kaschierung. Wer nach Dichte auswählt, wählt nach der Zahl mit dem geringsten Aussagewert für den Schall.
Ich hocke in einem leergeräumten Zimmer im zweiten Stock, Baujahr Mitte der sechziger Jahre, die Wand zur Nachbarwohnung ist zweischalig mit einem Hohlraum dazwischen. Auf dem Boden liegen zwei Reststücke Dämmmatte, aus zwei verschiedenen Packungen, beide mit 30 kg/m³ bedruckt. Ich nehme das erste, halte es mir flach vor den Mund und blase. Die Luft geht durch wie durch ein grobes Sieb, auf der Handfläche hinter der Matte spüre ich sie deutlich. Dann das zweite Stück. Ich blase, und es kommt fast nichts an; der Druck sucht sich seinen Weg an den Rändern vorbei. Das Material fühlt sich an wie ein Kissen, das nicht atmen will. Gleiche Dichte, zwei verschiedene Bauteile. Seit diesem Nachmittag lese ich die Zahl auf dem Sack als Produktionsangabe und nicht als Schallschutzangabe.
Was meine Hand da geprüft hat, ohne geeicht zu sein, prüft später der Schall. Ein Schallfeld im Hohlraum ist nichts anderes als Luft, die hin- und hergeschoben wird. Die Welle trifft auf die eine Schale, die Schale bewegt sich, drückt die Luft vor sich her, und die Luft muss irgendwohin, nämlich durch das Fasernetz. An jeder Faseroberfläche reibt sie sich. Diese Reibung ist der Verlust, der den Schall leiser macht. Er wird nicht geschluckt, er wird in Wärme umgesetzt, in sehr kleinen Mengen, aber millionenfach pro Sekunde.
Entscheidend ist deshalb nicht, wie viel Material in der Fuge liegt, sondern wie viel Oberfläche die Luft auf ihrem Weg berührt und wie eng dieser Weg ist. Feine Fasern haben pro Kilogramm mehr Oberfläche als grobe. Eine Matte aus sehr feinen Fasern kann bei 20 kg/m³ mehr bremsen als eine grobe Matte bei 40 kg/m³. Die Dichte beschreibt, wie viel Substanz im Volumen steckt, nicht, wie diese Substanz aussieht.
Das Fenster, in dem es funktioniert
Dämpfung im Hohlraum ist kein Fall von viel hilft viel. Es gibt ein Fenster. Ist der Widerstand zu klein, also die Matte sehr offen und grobfaserig, dann folgt die Luft dem Hin und Her fast ohne Reibung; sie wird verschoben, aber kaum gebremst, und der Schall kommt auf der anderen Seite fast unbeschädigt an. Ist der Widerstand zu groß, sehr dichte Matte, Folie, geschlossenzelliger Schaum, dann kann die Luft der Bewegung gar nicht mehr folgen. Die Schicht wirkt akustisch beinahe wie eine feste Wand, die Welle prallt zurück, und die Fuge verhält sich, als wäre sie zugemauert. Die Dämmung ist dann nicht zu gut, sie ist am falschen Ort.
Dazwischen liegt der Bereich, in dem beides zusammenkommt: Die Luft kommt noch ins Material hinein, wird aber auf dem Weg so stark gebremst, dass ein ordentlicher Teil der Energie als Wärme hängen bleibt. Wenn ich in Unterlagen Werte finde, liegen brauchbare Aufbauten für Wohnungstrennwände grob zwischen 5 und 20 kPa·s/m². Das ist eine Orientierung, keine Grenze, und sie verschiebt sich mit Schichtdicke, Frequenz und Einbausituation. Bei sehr dünnen Fugen braucht man tendenziell mehr Widerstand pro Zentimeter, weil weniger Weg zur Verfügung steht, um Energie umzusetzen.
Dieselbe Dichte, vier verschiedene Wege
Der erste Hebel ist der Faserdurchmesser. Zwei Produkte können dieselbe Masse pro Kubikmeter haben und trotzdem völlig verschiedene Faserquerschnitte. Feine Fasern erzeugen ein engmaschiges Netz mit viel Oberfläche, grobe Fasern ein weites Netz. Bläst man durch, merkt man den Unterschied sofort, und der Schall merkt ihn genauso.
Der zweite Hebel ist die Faserlage. Manche Platten sind so aufgebaut, dass die Fasern quer zur Plattenebene stehen, andere liegen flach. Wer aus so einer Platte Streifen schneidet und sie hochkant einbaut, zwingt die Luft durch die Faserrichtung, also durch viele Lagen hintereinander. Wer dieselbe Platte flach verlegt, lässt die Luft an den Fasern entlangziehen. Gleiches Material, gleiche Dichte, anderer Weg, anderes Ergebnis. Dasselbe passiert an der Schnittkante: Ein frisch geschnittener Rand ist offener als die glatte Werksoberfläche, und wenn dieser Rand zur Fuge zeigt, atmet das Bauteil an dieser Stelle anders als in der Mitte.
Der dritte Hebel ist die Pressung. Eine Matte, die im Paket gelegen hat, verliert Höhe. Steht 80 mm auf der Verpackung und baut die Matte nur noch 72 mm auf, dann sitzt sie dichter und härter im Hohlraum als geplant, der Weg durch das Fasernetz wird enger, und die Fuge wird insgesamt flacher. Wird eine Matte beim Einbau in eine zu schmale Fuge gequetscht, passiert dasselbe in stärkerem Maß: Der Widerstand pro Zentimeter steigt, aber die Schichtdicke sinkt, und beides zusammen kann sich aufheben oder sogar ins Negative kippen. Eine Matte, die satt anliegt, ohne gedrückt zu werden, ist nicht die bequeme Lösung, sondern die akustisch richtige.
Der vierte Hebel ist die Kaschierung. Eine Alufolie, eine Dampfsperre, eine Papierkaschierung: Sobald so eine Schicht zur Fuge zeigt, ist ein Teil der offenen Oberfläche weg, und die Welle kommt nicht mehr ins Fasernetz hinein. Bei einer hauchdünnen Kaschierung ist der Effekt klein. Bei einer wirklich dichten Sperre kann die Dämmung akustisch fast verschwinden, obwohl sie physisch da ist. In einer Innenwand ohne Feuchteproblem hat eine Dampfsperre ohnehin nichts zu suchen; wenn sie dann noch zur Fuge zeigt, kostet sie Dämpfung, die man an anderer Stelle teuer bezahlen muss.
Die Fuge ist eine Feder, kein Sack
Zwei Schalen mit Luft dazwischen sind ein Masse-Feder-Masse-System. Die Schalen sind die Massen, die Luft im Hohlraum ist die Feder. Eine leere Fuge hat eine ausgeprägte Resonanz, bei üblichen Wohnungstrennwänden grob irgendwo zwischen 60 und 100 Hz, und genau dort bricht die Schalldämmung ein. Das ist die Frequenz, bei der man den Nachbarn durch die Wand hört, obwohl die Wand an sich schwer genug wäre.
Mit Dämmstoff im Hohlraum passieren zwei Dinge gleichzeitig. Die Luft kann sich nicht mehr frei verdichten, sie gibt einen Teil der Verdichtungsarbeit an die Fasern ab, die Feder wird weicher, und die Resonanz rutscht nach unten. Gleichzeitig dämpfen die Verluste die Resonanz, die Einbruchstelle wird flacher und breiter statt tief und schmal. Was dabei ausdrücklich nicht passiert: Die Dämmung hebt die Masse nicht an. Sie arbeitet an der Feder, nicht am Gewicht. Bei einer leichten Ständerwand ist das der einzige Hebel, an dem überhaupt nennenswert etwas zu holen ist, und deshalb entscheidet dort die Qualität der Hohlraumdämpfung mehr als jede zusätzliche Beplankungslage.
Wo ich aufhöre zu rechnen und anfange zu klopfen
Es gibt Grenzen, die kein Strömungswiderstand verschiebt. Bei einer schweren Betonwand mit Vorsatzschale entscheiden Entkopplung und Aufbau, nicht das letzte kPa·s/m². Und bei tiefem Bass entscheidet die Masse; kein Dämmstoff holt einen Subwoofer aus dem Nebenzimmer weg, wenn die Wand zu leicht ist. Dämpfung macht den Einbruch flacher, sie verschiebt ihn nicht beliebig weit nach unten.
Bei Schüttung kommt die Zeit dazu. Zellulose oder eingeblasene Fasern setzen sich über Jahre, und oben an der Wandkrone entsteht ein Spalt, in dem die Luft wieder frei schwingen kann. Die geplante Dämpfung ist dann oben einfach nicht mehr da. Man hört das oft, ohne es zu wissen: Klopft man die Wand von unten nach oben ab, wird der Ton zur Decke hin heller und klingt länger nach. Deshalb klopfe ich nach dem Verschließen einmal die ganze Wand ab, langsam, von der Fußleiste bis zur Krone. Klingt es gleichmäßig kurz, hat die Fuge überall Kontakt. Klingt es oben hohl, weiß ich, wo ich nacharbeiten muss, bevor der Anstrich draufgeht.
Und dann ist da noch der Punkt, der über allem steht: Der Unterschied zwischen zwei brauchbaren Matten gleicher Dichte ist meistens kleiner als der Unterschied zwischen sorgfältiger und schlampiger Montage. Ein Spalt zwischen Matte und Beplankung, eine durchgedrückte Stelle, eine Ecke, in der die Dämmung fehlt, kostet mehr Dämpfung als die Wahl zwischen zwei Produkten, über die man eine Woche nachdenkt. Ich habe Aufbauten gesehen, bei denen die Diskussion um das Material endlos war und am Ende ein Fugenrest von zwei Zentimetern im oberen Wandbereich offen blieb. Das war der ganze Streit um Dichte und Widerstand nicht wert.
Wenn ich wieder zwei Stücke vor mir habe, mache ich es in dieser Reihenfolge: erst blasen, dann die Schnittkante im Licht ansehen, dann die Faserlage prüfen, dann auf die Kaschierung schauen, dann das Etikett lesen. Die Dichte kommt zum Schluss, und meistens sagt sie mir dann nichts mehr, was ich nicht schon an der Matte selbst gesehen hätte.